Hamburg, 4. Februar 2019

Privatpleiten: Immer weniger Verbrauchern gelingt der Schuldenschnitt nach drei Jahren

Zum 1. Juli 2014 wurde das Privatinsolvenzverfahren reformiert. Die Reform hatte unter anderem das Ziel, dass zahlungsunfähige Verbraucher schneller ihre Schulden loswerden können. Eine Bilanz nach eineinhalb Jahren zeigt jedoch, dass die Reform an der Mehrheit der betroffenen Verbraucher vorbeigeht.

Dies belegen aktuelle Zahlen des Informationsdienstleisters CRIFBÜRGEL. Vom 1.7.2014 bis zum 31.12.2015 mussten in Deutschland 150.496 Privatpersonen eine Insolvenz anmelden. 7,4 Prozent (11.170 Privatpersonen) von ihnen ist es gelungen, die Restschuldbefreiung auf drei Jahre zu verkürzen. Der Trend zeigt zudem, dass es immer weniger Verbrauchern gelingt, die Restschuldbefreiung zu verkürzen. So meldeten von Anfang Juli bis Ende Dezember 2015 in Deutschland 48.491 Menschen eine Privatinsolvenz an. Davon erreichten 5,8 Prozent der Verbraucher (2.795) im gleichen Zeitraum 2018 die Restschuldbefreiung bereits nach drei statt wie üblich nach sechs Jahren.

In den ersten beiden Halbjahren nach dem Start der Reform lag die Quote mit 8,3 Prozent (Restschuldbefreiungen 1.7.2017 - 31.12.2017 aus den Insolvenzverfahren vom 1.7.2014 - 31.12.2014) bzw. 8,1 Prozent (Restschuldbefreiungen 1.1.2018 - 30.06.2018 aus den Insolvenzverfahren vom 1.1.2015 - 30.06.2015) deutlich höher.

„Zu Beginn der Reform haben viele Personen auf die erstmalige Restschuldbefreiung nach drei Jahren hingearbeitet. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass immer weniger Privatpersonen von der Reform profitieren. Die meisten Betroffenen sind nach sechs Jahren schuldenfrei“, kommentiert CRIFBÜRGEL Geschäftsführer Christian Bock die aktuelle Auswertung. Insgesamt warten derzeit knapp 620.000 Personen in Deutschland auf die Restschuldbefreiung. Bei regulären sechs Jahren Wohlverhaltensphase können 2019 Personen aus dem Jahr 2013 die Restschuldbefreiung erlangen.

Im bundesweiten Vergleich der letzten eineinhalb Jahre war die Quote jener Personen, die einen Schuldenschnitt nach drei Jahren erlangten, in Thüringen (11,0 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (10,0 Prozent) am höchsten. Im Saarland (4,1 Prozent) und in Bremen (4,4 Prozent) gelang es den wenigsten Privatpersonen, die Restschuldbefreiung zu verkürzen.

Die vollständige Studie ist auf der Website www.crifbuergel.de verfügbar